Über den Willen zum Erfolg – TSV Schönaich ringt Tübingen nach starker Aufholjagd nieder

Sage und schreibe zweieinhalb Jahre hatte es für den TSV Schönaich auswärts kein Erfolgserlebnis mehr gegeben, ehe es am vergangenen Wochenende endlich wieder einmal so weit war. Nach exakt 917 Tagen (!) der teils selbstverschuldeten, teils pandemiebedingten Auswärtsmisere gelang den Schönaichern in Tübingen wieder ein Erfolg vor fremder Kulisse. Trotz zwischenzeitlichen Fünf-Tore-Rückstands (17.) und einem 15:18 zur Pause kämpfte sich der TSV im zweiten Durchgang zurück in die Partie und riss die zwei Punkte in der Schlussviertelstunde förmlich an sich. Auch Schönaich-Coach Martin Hoss zeigte sich nach Abpfiff sichtlich zufrieden: „Die Moral der gesamten Mannschaft war unglaublich. Nach 17 Minuten auswärts mit fünf Toren zurück zu liegen und dann so zurück zu kommen, hat gezeigt, wie stark die Mannschaft auch im Kopf ist.“ Als weitere Schlüssel zum letztlichen 26:24-Erfolg lassen sich rückblickend Willen, positive Kommunikation und Körpersprache auf dem Feld sowie ein im zweiten Durchgang überragender Keeper zwischen den Schönaicher Pfosten nennen.

Vor insgesamt rund 150 Zuschauern erlebten die Schönaicher einen Blitzstart und lagen nach gut einer Minute bereits durch Treffer von Volkan Atalay und Nico Kuppinger mit 2:0 in Front. Doch auch die Tübinger ließen nicht lange auf sich warten und meldeten sich rasch in der Partie an. So grenzten die ersten Minuten geradezu an ein Offensiv-Spektakel, in dem beide Abwehrreihen nicht im Ansatz zum Zuge kamen. Nach sieben gespielten Minuten zeigte die Anzeigetafel bereits ein 6:6 an. In der Folge kamen die Gastgeber besser ins Spiel und setzten sich während der schwächsten TSV-Phase der Partie über ein 9:6 (12.) bis hin zum 12:7 (18.) ab. Den relativ deutlichen Rückstand konnte der TSV bis zum Seitenwechsel immerhin noch auf 18:15 reduzieren. Mit dem ersten Durchgang vor allem defensiv noch überhaupt nicht einverstanden gewesen, bekam TSV-Coach Hoss in der zweiten Halbzeit eine enorme Leistungssteigerung von Abwehr und Torhüter zu sehen, die den Weg für das Comeback der Schönaicher mit lediglich sechs weiteren Gegentreffern in den zweiten 30 Minuten ebnen sollte. „In der zweiten Halbzeit hat unser Torwart die Mannschaft mit rund 20 Paraden zurück ins Spiel gebracht. Die Abwehr hat sich von der überragenden Leistung ihres Torhüters Marius Liegert anstecken lassen und zu alter Stärke zurückgefunden“, resümiert der Schönaicher Trainer. Resultat dessen war die sichtbare Verzweiflung der Tübinger Schützen, die erst neun Minuten nach Wiederanpfiff zu ihrem ersten Treffer im zweiten Durchgang kommen sollten. Über ausgeglichene Spielstände beim 18:18 (35.) sowie gut zehn Minuten später beim 22:22 (47.) gelangen den Schönaichern nun weitere zehn Minuten ohne Gegentreffer. Offensiv zwar nicht immer kaltschnäuzig genug, konnten sich die Schönaicher bis vier Minuten vor dem Ende durch einen Treffer von Pascal Mezger dennoch mit 26:22 von den Tübingern absetzen und für die Vorentscheidung sorgen. Die abschließenden zwei Treffer der Gastgeber zum 26:24 aus TSV-Sicht konnten im Endeffekt dann noch unter der Rubrik „Ergebniskosmetik“ verzeichnet werden.

Es waren zwei gänzlich entgegengesetzte Halbzeiten, die der TSV Schönaich seinen mitgereisten Fans am Samstagabend somit in der Tübinger Sporthalle des Landkreises präsentierte. Auf ein beidseitiges Tor-Feuerwerk im ersten Durchgang folgte ein zweiter Durchgang mit gerade einmal halb so vielen Treffern und umso größerer Spannung bis in die Schlussminuten hinein. Hatten die Schönaicher derartig knappe Partien in der Vergangenheit häufig in der Schlussphase noch aus der Hand gegeben, konnte der TSV den schwachen Saisonauftakt von vor einer Woche nun ausgerechnet im ersten Auswärtsspiel der Saison vergessen machen und in Tübingen in Durchgang zwei eine echte Reaktion zeigen. Gerade die intelligent und im Kollektiv heruntergespielten Schlussminuten sind in diesem Zusammenhang lobend zu erwähnen. Mit einem ausgeglichenen Punktekonto nach zwei Partien und einem Auswärtssieg im Rücken kann das Hoss-Team nun mit einer gesunden Portion Rückenwind in die anstehenden zwei Trainingswochen gehen, ehe am 9. Oktober in Altensteig bereits das nächste Auswärtsspiel auf den TSV wartet.

Es spielten: Ralf Hoffstadt, Marius Liegert (Tor), Pascal Block (5), Pascal Mezger (2), Michael Entzminger (5), Daniel Probst, Patrick Ernst, Nico Kuppinger (6), Samuel Niebusch (1), Julian Weck, Christopher Kopp (1), Sven Bayer (1), Hannes Fehrenbacher, Volkan Atalay (5)

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